unternehmen

AIR-WOLF GmbH
Waschraum- und Hygienetechnik
Unterhachinger Straße 75
D-81737 München
air-wolf@air-wolf.de
Telefon +49 (89) 420790-10
Telefax +49 (89) 420790-70
Ein Unternehmen der
Wolf-Gruppe

Begegnung mit dem AIR-WOLF

Meine Antipathie gegenüber Heißlufthandtrocknern geht bis in früheste Jugendjahre zurück. Damals - es muss in den späten 70ern gewesen sein - tauschten auch bei uns in der Provinz viele Gastronomen in einer Art nachholender Modernisierung die schlichten Frotteehandtücher auf ihren Toiletten gegen die vermeintlich hygienischeren Fönverschnitte aus.

Zugegeben, die selten gewechselten Handtücher müssen wahre Zuchtfarmen für Erreger gewesen sein, aber mein Vater warnte schon damals fortschrittskeptisch: „Diese Blasedinger sind auch nicht hygienischer, die wirbeln die Bakterien im Raum nur einmal richtig durcheinander. Am besten, man lässt die Hände an der Luft trocknen oder wischt sie an der eigenen Hose ab. Da kann nichts passieren."

So verbrachte ich meine Jugend: in steter Furcht herumwirbelnden Keimen. Und mit klammen, an der eigenen Jeans notdürftig abgetrockneten Händen vom Klo kommend. Später, als die Bakterienangst nachließ, rückte das Zeitargument in den Vordergrund. Der flaue, lauwarme Luftstrahl, den das Gros dieser Geräte ausschickt, zeigt auch nach einer halben Minute Toleranzzeit kaum Effekte. Wenn man sich dafür aus einer angeregt diskutierenden Tischgesellschaft ausklinken muss, können schon 30 Sekunden eine halbe Ewigkeit sein. Mit dem Resultat, dass ich die Trockner stets weiträumig mied und in jedem Fall Papierhandtücher bevorzugte. Einen Verbündeten fand ich in dem amerikanischen Schriftsteller Nicholson Baker, der in „Rolltreppe" ausführlich die Pros und Contras von Heißlufttrocknern im direkten Vergleich mit papierenen Wegwerfhandtüchern erörtert. Mit eindeutigem Sieger: Papierhandtücher seien schneller, praktischer und letztlich hygienischer. Was tue man, so Baker, wenn man im Sommer in einem von der Heißluft des Gebläses zusätzlich aufgeheizten Waschraum steht und sich das Gesicht waschen will? Die Erörterungen enden in einem eindringlichen Appell wider die Blastrockner mit den Worten: "Come to your senses, world!" Bis vor kurzem hätte ich mich dem vorbehaltlos angeschlossen.

Bis ich eines Abends auf einer Berliner Gastronomietoilette dem Air-Wolf begegnete. Genauer gesagt, dem Air-Wolf 301, wie ihn ein schmissig kursiver Logo-Schriftzug auswies. Schon auf den ersten Blick erinnert das formschön gerundete Gehäuse in gebürstetem Stahl an jene Metzger-Schneidemaschinen, wie sie der Manufactum-Katalog für seine an professionellem Understatement interessierte Klientel bourgeoiser Bohemiens vorhält. Gekrönt wird das schlichte Design von einem soliden Chromknopf, der Funktionalität ohne jeden Schnickschnack verheißt. Die eigentliche Überraschung wartet, wenn man ihn betätigt: Mit dem satten Sound einer startenden Boeing 747 springt ein agiles Gebläse an, das spontan einen voluminösen und heißen Luftstrahl verursacht, der durch einen elegant geschwungenen Chromrüssel austritt. Die Feuchtigkeit rinnt von den Händen wie von einem frisch gewachsten Auto am Ende der Waschstraße. Binnen weniger Sekunden sind sie absolut trocken. Ich bin begeistert!

Und notiere mir die Website des Herstellers: www.air-wolf.de. Kaum zu Hause, starte ich den Rechner und steuere sie an. Sofort ertönt ein feierliches Klaviermenuett. Die Einstiegsseite verzichtet auf alles Sanitärgroßhandelspezifische und zitiert stattdessen den britischen Sozialreformer John Ruskin: „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und ein wenig billiger anbieten könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werde die gerechte Beute solcher Machenschaften." Dermaßen erhaben gestimmt und eingelullt von den barocken Klavierläufen klicke ich mich weiter auf die Seite mit Produktinformationen und erfahre: „Air -Wolf Händetrockner sind völlig vandalensicher - das 6 mm starke Gussstahl-Gehäuse wiegt allein 7 kg. Sie sind jederzeit auch in besonders gefährdeten Waschräumen einsetzbar." Ein Preis von 459 Euro (Anm. d. Red.: heute nur noch 299 Euro) erscheint - da hat Ruskin vollkommen Recht - wahrlich nicht zu viel verlangt. Selten hat mich ein Produkt und eine Website so überzeugt. Auch wenn mein Badezimmer nicht akut vandalismusgefährdet ist: Inzwischen trage ich mich mit dem Gedanken, einen Air-Wolf für zu Hause anzuschaffen. Und Nicholson Baker werde ich eine Mail schicken mit dem Link zur Website und der Betreffzeile: „Exceptions make the rule." (Anm. d. Red.: mittlerweile hat der Autor dieses Zeitungsartikels einen AIR-WOLF 301 in seinem privaten Badezimmer).

(Quelle: Berliner Zeitung,
Feuilleton vom 28.12.2002,
Autor: Holm Friebe)